20 Jahre PROSOZ 14

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitstreiter,

eigentlich sollte der Titel dieser Geburtstagsrede ja anders lauten:

Nicht „20 Jahre PROSOZ 14“, sondern: „20 Jahre und ein bisschen weise“. Aber das könnte leicht missverstanden werden, wenn man „Weise“ großschreibt. Obwohl es ja genau dieser Mensch - nämlich Peter Weise - war, der bei uns in Hessen, genauer im Main-Taunus-Kreis, die erste Schulung des Programms RECOS 14 durchgeführt hat.

1996 war das. Im Jahr zuvor hatten wir aufwendig unsere Arbeitsvorgänge analysiert und festgestellt, dass uns das alte Verfahren eines Rechenzentrums zu umständlich geworden war und man ja kaum eine Chance hatte, dass eigene Verbesserungsvorschläge oder Anforderungen irgendwann umgesetzt würden.

Also musste etwas Neues her.

Die beiden Test-Installationen, eine mit RECOS 14 und eine mit dem Mündelgeldverfahren einer gewissen Firma PROSOZ, offenbarten es: Jugendamtssoftware besteht grundsätzlicher aus weißer Schrift auf blauem Grund.

Erst viel später lernte ich, dass man das „Alpha“-Oberfläche nennt.

Wir entschieden uns damals für RECOS 14. Vielleicht lag es an dem bayerischen Charme, den die Vertreter der Firma hatten. Bei der ersten Schulung durch den bereits erwähnten Kollegen zumindest hörten wir Hessen schon genauer hin, wenn er etwas vom „Druckerkammerle“ erzählte und die Sollstellung für „das Monat“ erfolgte.

So sind halt die Bayern.  Laptop und Lederhose.  Und natürlich handeln sie auch nach festen Grundsätzen: „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis.“

In Sachen Landesarbeitskreis waren uns die Südländer damit voraus.

Das wollten wir uns in Hessen natürlich nicht länger tatenlos anschauen. Nachdem sich auch bei uns mehrere Jugendämter von den Vorzügen des Programms überzeugt und es eingeführt hatten, trafen sich hessische Anwender das erste Mal im Jahre 1997 und gründeten einen LAK.

Über welche Themen wir uns damals unterhalten haben? Lassen Sie mich einige aus diesen längst vergangenen Tagen nennen:

  • „Textschnittstelle zu Word“
  • „Anbindung der Sozialen Dienste“
  • „Modul für die Jugendgerichtshilfe“
  • und - am schönsten eigentlich -: „Anregungen und Wünsche der Kunden“.

Nun gut, aus dem kleinen Main-Taunus-Kreis hinein in die große Welt: Mit leichten Halbschuhen aus dem recht milden Mittelhessen um 4 Uhr 52 morgens in den Zug und fünf Stunden später raus aus dem Münchener U-Bahnhof in den tief verschneiten Olschewskibogen – der erste Bundesarbeitskreis  und gleich nasse Füße! „Hauptsache, die Frisur hält!“, wie einst ein Kollege aus Baden-Württemberg feststellte.

Umso besser dann die im ersten BAK besprochenen Themen:

„Sollstellung an STOK“, „STOK an Recos“ – das klang ja wie auf Captain Kirks Kommandobrücke!

Bei diesen Treffen lernte man aber nette Leute kennen und dieses Gefühl der Gemeinsamkeit hält bis heute an.  „Community“ heißt das neudeutsch.

Es sind heute noch viele dabei, die sofort wissen, was eine F9 ist. Ist doch toll, wenn man eine gemeinsame Sprache spricht.

 

Dann ging es Schlag auf Schlag – zweimal pro Jahr der Landesarbeitskreis, zweimal der Bundesarbeitskreis und zwischendrin auch mal ein paar Arbeitsgruppen, die sich zum Ziel gesetzt hatten, bei den Programmierern keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Es gab genug Anlässe der stetigen Veränderung:

·         Aus Müttern unehelicher Kinder wurden plötzlich mündige Bürgerinnen.

·         Die gute alte D-Mark wurde erst in eine Archivdatenbank und dann schließlich ganz aus dem System verbannt.

·         Die „Komplettliste der Fälle“ ist heute BI. Was nichts mit irgendwelchen Vorlieben zu tun hat, sondern „Business Intelligence“ heißt.

·         Auch verbreitete sich die Erkenntnis, dass SQL eigentlich nicht die Abkürzung für „sucht quälend langsam“ ist und MIS eben nicht „mir ist schlecht“ bedeutet.

Mit den Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland konnte man seit dieser Zeit einiges erleben.

Nach anstrengenden BAK-Sitzungen, die oft im Hause des „Meister Eder“ stattfanden, aber auch im Schnee der Voralpen oder im hohen Norden der Republik, fand man abends auf dem Plüschsofa verschiedener Reisebusse, bei Taxi-Verfolgungsjagden oder beim geselligen Beisammensein immer Gesprächsstoff.

Leider lässt sich heute nicht mehr feststellen, ob der Name „Recos 14plus“ tatsächlich bei Gesängen während einer Hafenrundfahrt in Hamburg erfunden oder nur auf psychologisch geschickte Weise den angeheiterten Landesvertretern näher gebracht wurde.

Für die „alten“ Kunden, die in diese schöne neue Plus-Welt umsteigen wollten, gab es seitdem den geliebten Begriff „Migration“. Das ist so etwas Tolles, dass sich bis heute noch einige Jugendämter Zeit lassen, diesen Prozess so richtig zu genießen.

Überall bemerkte man dann einen Wandel durch die Einführung des Programms in den Sozialen Diensten.

Nicht nur, dass es neben einem Bundesarbeitskreis dann zunächst auch einen „Fachausschuss Soziale Dienste“ gab und zwischen beiden Gremien immer wieder heftig diskutiert wurde, wessen Vorschläge nun wichtiger seien – nein, auch in den Jugendämtern hatte man es plötzlich mit ganz anderen Leuten zu tun.

Die Frage meines Landrats, ob Sozialarbeiter überhaupt einen PC brauchen, ist seit dieser Zeit beantwortet. Obwohl ich sie mir manchmal in meiner Tätigkeit als Anwenderbetreuer auch heute noch stelle.

Das Jahr 2004 begann dann mit einer Neuigkeit, mit der kein Recos 14 – Anwender gerechnet hatte. Das Programm wurde an die PROSOZ Herten GmbH verkauft.

Wie sollte es nun weitergehen?

Im Landes- und Bundesarbeitskreis fand die ein oder andere hitzige Debatte statt. Aber schließlich wird ja nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wurde, und es stellte sich bald heraus, dass PROSOZ 14plus – wie das Programm nun hieß - als sogenanntes „langfristiges strategisches Produkt“ erst einmal weiter leben wird.

Wir „Power-User“ lernten wieder eine Menge neuer Leute kennen. 

Wie toll es mit uns ist, zeigt die Tatsache, dass PROSOZ-Mitarbeiter sogar bis zu 5 EURO für einen Sitzplatz in unserer Runde bar auf den Tisch legen!

Unser System, mit den Verantwortlichen aus Produktmanagement, Support, Vertrieb und auch Leitung solange zu feiern, bis die eigene Programmanforderung in der Liste nach oben rutscht, hat sich ebenfalls als „langfristig und strategisch“ bewährt.

Nein, das ist natürlich nur Spaß. Aber die neuen Möglichkeiten einer nun viel größeren Firma haben uns angespornt, auf allen Ebenen an der Weiterentwicklung des Programms weiter und noch kräftiger mitzuarbeiten.

Die Herausforderungen nehmen ja nicht ab: Was früher, als es noch Begriffe wie Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit gab, viel zu kompliziert war, wird im Zuge der Doppik nun so sehr vereinfacht, dass es kaum noch einer versteht.

Und wenn ich mich als Vater von drei Kindern natürlich über eine Kindergelderhöhung freue, aber gleichzeitig im Schlaf schon mal den Festwertabgleich durchspiele, zeigt das deutlich: Auch für mich ist das Programm ein Teil meines Lebens geworden.

Das Programm hat nun 20jährigen Geburtstag.

Übrigens: Ich finde eine Diskussion über den Namen des Geburtstagskindes überflüssig. Wenn Sie durch Heirat Ihren Namen ändern, haben sie vielleicht nicht mehr ganz so viel zu lachen, aber Sie feiern ja trotzdem weiterhin Ihren Geburtstag.

Insofern kann ich dem Programm, das heute „PROSOZ 14plus“ heißt, nur gratulieren:

·         Herzlichen Glückwunsch an die, die es ursprünglich als RECOS 14 erfunden haben.

·         Herzlichen Glückwunsch an Egon Herzog, der es als Erster eingesetzt hat.

·         Herzlichen Glückwunsch an alle bei der Firma PROSOZ:

·         An die Leitung der Firma - für tolle, engagierte Mitarbeiter.

·         An das Produktmanagement - für das einfach beste Jugendamtsprogramm.

·         An den Vertrieb - für jedes kostenfreie Zusatzmodul.

·         An die Entwickler und die Qualitätssicherung, die uns auch in Zukunft mit dem ein oder anderen kleinen übersehenen Fehler quälen werden.

·         Herzlichen Glückwunsch an den Support, den wir Anwender auch weiterhin quälen werden.

 

Ich glaube, dass es auch in 20 Jahren noch ein Jugendamtsverfahren geben wird, das Elemente aus RECOS 14 und PROSOZ 14plus enthalten wird. Zumindest eines, das hier - in leicht abgewandelter Form - als Abschluss geeignet ist:

Es ist kein Fehler aufgetreten.

Bitte verlassen Sie nicht die Anwendung.

Starten Sie einfach neu und haben Sie weiterhin viel Spaß!

 

Herzlichen Dank!

 

Uwe Weidner, 2009